Das Mädchen im Glassarg

Von Innen wurde das Café aufgeschlossen.

Wir setzten uns in die rechte, hintere Ecke, wo vor uns schon ungezählte Seelen saßen, ihren kalten Kaffee schlürften, der zum dreizehnten mal oder so wieder aufgebrüht wurde, weder sah ich einen Kellner noch Tresenpersonal, das Klappern der Gerätschaften drang aus der Küche, ohne von Stimmen begleitet zu werden, man hörte überhaupt keine Stimmen, wir schwiegen und blickten durch uns hindurch, während unsere kalten Fingerknöchel die Tasse fest umklammerten. Es war kein gemütlicher Ort. Wir waren keine geselligen Typen. Wir waren überhaupt nichts mehr, fühlten nicht mal die Möglichkeit, dass noch einmal etwas Lebendigkeit komme und unseren müden Knochen Wärme einflößen würde. „Der Kaffee schmeckt scheiße“, Mario, noch immer die Sitzfläche auswuchtend, obwohl an ihm kein Gramm Fett mehr dran war. „Scheiße“, murmelte ich und starrte die Wandverzierung an. Es stellte eine Totenprozession dar, der Sarg der Verstorbenen wurde von mehreren Halbwüchsigen getragen, oder hatte ich richtig geschaut? Es waren erwachsene Männer, die ihren Oberkörper 90 Grad gebogen hatten und in dieser gekrümmten Haltung eine Art laufendes Podest für den Sarg bildeten. „Es stellt wohl eine Szene aus der Vergangenheit dar? Wer mag die Verstorbene sein?“ Mario hob nur wieder die Tasse an seine – oder wo sie hätten sein sollen – und schlürfte zum hundertsten Male die schale Biersuppe daraus weg … Stunden verstrichen … und ja, wer weiß, wann das enden soll … andere Besucher kamen, schlichen an uns vorbei, wir konnten sie nicht sehen. Wann tragen sie uns endlich hier raus?

Das blonde Mädchen war in einer Pose erstarrt, als hätte sie gerade mit verschlossenen Augen eine Blume küssen wollen. Ihr Haar wehte nach allen Seiten. Sie saß in einem gläsernen Kasten und auch, wenn ich mir keine Fragen mehr stelle, „seit wann sitzt sie dort am Nachbartisch?“ Mario verdrehte seine Augenhöhlen. „Hörst du mir auch mal zu?“ … Tatsächlich spürte ich seit langem einen Hauch von seiner Anwesenheit.