Die Sternmalerin

 Sie ist Künstlerin, hat sie mir gesagt. Sie malt gerne Sterne. Ich dürfe ihrem Genius ansichtig werden, weil sie mich, wie sie betonte, ganz besonders mochte. Also folgte ich ihr in das Zimmer, in ihre „Sternenwarte“, so nannte sie es, nun, jetzt verstehe ich langsam, warum.

Jeden Morgen streicht sie die Wände weiß. „Jeder Tag ist doch auch ein ganz eigenes Universum.“

Diesen leeren Raum nannte sie also ihr Atelier?

Keine Bilder. Nur blanke, weiß gestrichene Wände.

„Was willst du mir zeigen?“

„Warte doch … flieg einmal zur Decke hoch!“

Das war leicht, denn ich träumte ja.

„Wo willst du hin?“ „Naja, zu den Sternen“, antwortete ich ihr, während ich wenige Zentimeter unter der Decke schwebte und ihre Frage nicht verstand, immerhin hat sie mir ja erzählt, sie male Sterne und jetzt warte ich hier, und sie lässt mich im Unklaren und in der Luft stehen.

„Sterne gibt es viele. Werde präzise!“ Künstler, dachte ich. Nie kann man sie verstehen.

„Ich weiß es nicht … verdammt!“

„Sag das doch! Wie sieht’s hiermit aus?“

Sie strich mit der Farbrolle über die Decke, wo sie rüber ging, erschien ein schwarzer Hintergrund, der übersät war mit kleinen – Sonnen und einem größeren Roten Riesen in der Mitte. „Gefällt mir!“

Ich berührte die Fläche mit der Hand und konnte eine angenehme Wärme spüren, die aber merklich an Temperatur zunahm. „Zu heiß!“, rief ich … „ich will mehr sehen!“

Der nächste Nachtabschnitt war voller weißer Kugeln, deren größte, leicht glimmernd, wohl das Zentralgestirn war. Ein weißer Zwerg.

Wieder fasste ich es an, und diesmal begannen mir nach wenigen Sekunden die Finger zu frieren. Es war eiskalt. „Und jetzt?“

Sie hörte nicht auf, ihr Zimmer mit Galaxien zu streichen, während ich als schwereloser Raumfahrer in ihrer Zimmermitte schwebte. Bald war kein weißer Fleck mehr auf der Sternenkarte. Sternklare Nacht! Sie war auch nicht mehr die Alte.

Ihr Körper war zu einer großen, leuchtenden Kugel aufgebläht – ich war ihr Mond und kreiste hautnah um ihren Äquator wie ein glückliches Kind im Kettenkarussel.